24h-Breitscheid 2009 - Bericht
Tja, wie soll ich sagen: ich bin um eine Erfahrung reicher!
Erstmal zur Veranstaltung selber: wie immer super organisiert, sehr familiär, nette Leute; selbst wenns nicht so läuft, wei bei mir; geht man mit einem gutem Gefühl heim
Wer schon immer mal einen mal 100km oder einen 24h-Lauf ausprobieren wollte, geht nach Breitscheid. Mich werdet ihr die nächsten Jahre wohl auch immer dort antreffen.
Jetzt zu mir: die Vorfreude, die Form, eigentlich alles top. Ich bin etxtra ganz hinten gestartet, trotzdem war die erste Runde, so wie auch die folgenden unter 30min. Zu schnell war es nicht, den der Puls war im Bereich von lang und langsamen. Optimal für einen 24h-Lauf. So waren die Durchgangszeiten nach 10km, 20km, 30km und 40km immer unter dem 6er Schnitt. Obwohl ich regelmässig ruhige Verpflegungspausen gemacht habe. Nach 40km dann eine längere Pause inkl. Tweet :-). Wenn ich dir Pace durchgelaufen wäre, hätte ich eine PB auf weit unter 5h gehabt. Und das Ganze ohne wirklich auf Tempo zu laufen, sondern schön locker. Also genial vom Körper her. Ich hatte auch keine Versorgungs, Muskel oder sonstige Probleme. Alles war bestens. Es lief sogar eher noch auf eine 100km PB hinaus. Tja, trotzdem hab ich aus irgendeinem Grund den Lustfaden bei KM 70 verloren. Ich hatte einfach keinen Bock mehr obwohl alles prima lief. Der Kopf sagte einfach: “Trink ein Bier oder zwei, setz dich hin und mach Pause” Ok, ich hab nach gegeben und Pause gemacht. Eine Pause bringt ja manchmal was (eigene Erfahrung). Gegen 6 bin ich wieder los. Das Tempo unvermindert gut, das Laufgefühl top, ratz fatz war die Runde rum und ich direkt auf der zweiten. Nach 2km hab ich dann wieder den Faden verloren und mich dann auch endgültig entschieden für heute nichts mehr zu machen. Mich Quälen wollte ich nicht.
Zwischendurch kurz vor KM 3 stand eine Bank. Ich hab mich hingesetzt und den Sonnenaufgang genossen. Das wollte ich schon immer mal bei einem Lauf machen
Ich habs genossen. Die Runde bin ich zu Ende gegangen und bin nicht mehr gelaufen. Ich hab einfach die anderen angefeuert und schon während des Wettkampfs mit der Regeneration begonnen. Und das hat mir sogar noch Freude bereitet. Ich war ja auch nicht alleine, sondern mit den Borbecker Raketen vor Ort.
Die sind zum größten Teil als Staffel gestartet, also alle paar Stunden waren andere da. Das war auch schön. So richtig verstanden haben die mich glaube ich nicht. Kommentare: “So kennen wir dich ja garnicht” oder “Bist du Krank” waren dabei. Ehrlich gesagt: so kannte ich mich auch nicht. Aber was solls, ich stehe immer zu meinen Entscheidungen. Es war trotzdem eine sehr schöne Veranstaltung
Für mich selbst fasse ich dieses Ergebnis eher wie ein DNF auf. Warum? Nach jedem DNF, war der nächste WK eine PB und nächstes WE bin ich bei der Cologne226 extreme+ und hätte gerne eine PB. Möglich ist es. Außerdem sind 80km für mich in 24h das schlechteste Ergebnis bis jetzt. Andersrum wars ein schöner langer schneller Trainingslauf und das ist wieder gut fürs nächste WE. Und 80km merk ich heute garnicht mehr in den Beinen, daher geh ich gleich noch laufen (und wählen!).
Woher kommts? Die letzten Wochen sind durch die Organisation des Kultur-Runs stressig. Ich bin meistens viel zu spät im Bett für meine Verhältnisse und den Kopf krieg ich nicht wirklich frei. Wie man sieht braucht man ihn auch zum Laufen, mehr als man denkt. Hoffentlich kann ich ihn diese Woche fürs nächste WE freischaufeln. Das ist der einzigste Punkt der mir diese Woche noch Sorgen macht. Sportlich sollte das schon klappen. Bei meiner Entscheidung nicht mehr KM zu machen, haben die beiden kommenden WE natürlcih auch eine Rolle gespielt. Ich wollte einfach, die körperlichen und vor allem die geistigen Kräfte schonen. Ein DNF in Köln ist für mich persönlich nicht akzeptabel. Und dafür brauch ich alle meine geistige Power.
Und damit ist für mich dieser Lauf abgearbeitet. Auf gehts zum nächsten










Mal einmal davon abgesehen, dass 99 % der Läufergemeinde mit Respekt und Ehrfurcht auf 80 Kilometer schauen, gibt es so Tage wohl einfach. Ob nun ein 10-km-Läufer nach 8 keinen Bock mehr hat, ein Marathoni nach 35 km nicht mehr mag oder der Ultraläufer nach “lächerlichen” 80 km keine Lust mehr hat - irgendwann erwischt es wohl jeden…
Vielleicht ist es Dir auch einfach zu leicht gefallen, da fehlte der Anspruch…
Trackback von der ewige Anfänger 30. August 2009 14:05
oder anders gesagt, ich hatte mich darauf gefreut 24h mal abschalten zu können und mich zu entspannen. Letztendlich hab ichs ja auch getan
Also die Signale waren schon vorher da, ich hab sie nur nicht richtig gedeutet.
Tja solche Tage gibts, aber das ist auch ok. Nach der bisherigen Saison brauch ich wirklich nicht meckern
Grüße aus Oberhausen, Yogi
Trackback von yogi 30. August 2009 14:37
Auch solche Phasen muß es geben und irgendwann ist immer das erste Mal. Und auch 80 Kilometer müssen erst einmal geschafft sein. Und wenn der Körper Signale aussendet dann sollte man diese auch ernst nehmen. Trotzdem Hut ab vor Deinen Leistungen und es macht immer wieder Spaß davon zu lesen.
Trackback von LaufeMarathon 30. August 2009 14:59
Alleine die 80km fordern schon ihren Respekt.
Aber…
“Zwischendurch kurz vor KM 3 stand eine Bank. Ich hab mich hingesetzt und den Sonnenaufgang genossen.”
… ist das beste was ich die letzten Jahre gelesen habe. So was finde ich genial. Was gibt es schöneres und vor allem wie oft wirst Du dieses Erlebnis noch haben.
Wie immer meinen Respekt vor deiner Leistung!
Gerd
Trackback von Gerd 30. August 2009 16:32
Wenn du dich einmal entschlossen hast nicht mehr zu rennen, dann kann man doch den Rest geniessen. Das Sitzen auf der Bank war auch das genialste Lauferlebnis der letzten Jahre. Ich schaue mich gerne bei Läufen auch mal um und starre nicht nur stur auf die Uhr. Deswegen freu ich mich schon auf Frankfurt
Den Lauf und die Stadt kenn ich noch nicht.
Herzliche Grüße aus Oberhausen, Yogi
Trackback von yogi 30. August 2009 17:01
So wie du es erzählst, war es eine richtige, absolut sinnvolle Entscheidung. Schade wegen der “schlechten” 24h-Leistung? Aber sowas von überhaupt nicht, denn alles scheint gut zu sein.
Gerade dafür, für dein gutes Gefühl und die beherzte Entscheidung, Glückwunsch und Respekt!
Trackback von Hannes 30. August 2009 18:16
Na klasse, 80 km habe ich in der ganzen Woche nicht geschafft, trotz Marathonvorbereitung.
Also meinen Respekt hast Du trotzdem und das mit dem Sonnenaufgang muss einfach genial gewesen sein.
Gruß aus Gladbeck
THORSTEN
Trackback von Thorsten 30. August 2009 18:18
Hallo Yogi,
finde gerade deinen schönen Bericht hier. Als Breitscheid-Fan muss ich natürlich noch was anmerken: Auch wenn die Staffelläufer der Borbecker Raketen die obligatorischen Scherze gemacht haben, glaube ich, dass die (genauso wie hier in den trackbacks zu lesen ist) deine Entscheidung verstehen konnten und die rasante 80 km-Leistung zudem noch bewundern. Das schöne am Ultralaufen ist doch gerade dieses Ungezwungene. Ich laufe z.B. Langstrecken immer ganz ohne Uhr und habe bisher nie bis zur Erschöpfung durchgepowert. Nichtsdestotrotz finde ich es auch toll, wenn jemand mal über seine Grenzen geht. Sind eben einfach unterschiedliche Erfahrungen, eine so wertvoll wie die andere. Und du hattest mehr als einen Grund, die Regeneration schon während der Veranstaltung zu beginnen, ich fand´s auch sehr stimmig :-).
Gruß aus Köln,
Susanne
Trackback von Susanne 30. August 2009 20:53
@Hannes: Danke! Die Entscheidung war und ist richtig. Wieviel es mir gebracht hat seh ich am nächsten WE.
@Torsten: alles ist relativ. Bei einer persönlichen Zielsetzung von 170km + x, die auch gut machbar gewesen wären, kann ich mich über 80 nicht freuen. Außer das ich sie recht fix gelaufen bin. Der Sonnenaufgang war Klasse. Ein magischer Moment
@Susanne: die Kommentare der Raketen waren alle ok, zum Teil sogar sehr lieb und sorgenvoll
Sicher verstehen die meisten meine Entscheidung. Ich hab an dem WE ja auch was gelernt, das ist ja auch nicht schlimm. Meinen ruhigen Teil der Veranstaltung konnte ich ja auch geniessen. Bin ja auch ein positiv denkender Mensch. Schaden wird mir dieses Erlebnis nicht, eher das Gegenteil.
Herzliche Grüße aus Oberhausen, Yogi
Trackback von yogi 31. August 2009 07:34
Meinen Respekt! Bei der TorTour2008 war ich den TN, die gemerkt haben wann man aufhören sollte, am meisten zu Dank verpflichtet. Ganz ehrlich! Bevor jemand die Lust verliert oder sich verletzt sollte man die Pause-Taste drücken. Gegen seinen Willen kann und soll man nicht arbeiten. Wir machen das doch alles nur zum Spass!!!
Diese Entscheidung “es gut sein zu lassen” ist keine leichte. Ich kenne das noch von meinem (verletzungsbedingten) Austieg beim 2005er Deutschlandlauf. Der nächte “Erfolg” (DL2006) wird dafür um so süßer
Alles Gute für Köln.
Jens
Trackback von jens 31. August 2009 08:03
… und den Spaß an der Sache hab ich nicht verloren
Die Cologne226 wird Spaß machen!
Grüße aus OB, Yogi
Trackback von yogi 31. August 2009 08:36
So lange du deine Entscheidung auch hinterher noch für gut und richtig hältst war sie wohl auch gut und richtig.
Und immerhin ist es ja ein schöner, langer Trainingslauf geworden.
Viel Spaß und Erfolg in Köln!
Wir sehen uns dann beim Kultur-Run…
Gruß
Stefan
Trackback von Stefan 31. August 2009 09:28
@Stefan: das seh ich genauso. Im Augenblick denk ich drüber nach ob ich diese Woche überhaupt noch was mache, mal sehen
Wir sehen uns beim Kultur-Run, Yogi
Trackback von yogi 31. August 2009 09:36
Hallöchen,
Respekt erstmal zu den 80 km.
Wie Jens und viele andere auch schon egsgat ahben war es eine weise entscheidung einfach mal 5 gerade sein zu lassen.
Gruß
Marco
Trackback von Marco 31. August 2009 12:41