Am Dienstagabend hab ich dann von Brigitte erfahren das Andreas erkältet und mit Fieber krank ist und nicht mitfährt. Brigitte hat dann auch aufgrund privaten Stresses sich lieber ausgeklinkt. Und schon ist das Auto wieder leer. Donnerstag-Morgen gings dann los. Das Wetter in Deutschland schwül und sonnig. Stau bei Wiesbaden. Kaum in der Schweiz, dunkle Wolken und Gewitter. Na toll! Nach 10h Fahrt war ich endlich da. Direkt Kurts Wohnmobil inkl. Kurt, Rico und Andre gefunden. Dann erstmal Zelt aufbauen, bevor es wieder regnet.
Danach sind wir erstmal ins Zelt und Pasta essen. Die beiden Läufer (Kurt und Andre) sind ganz schön gespannt, Rico weiss als Fahrradbegleiter noch nicht was auf ihn zukommt. Recht früh gehts ins Bett. Fast die ganze Nacht blitzt und donnert es. Und natürlich Regen, aber das Zelt ist dicht. In der Nacht kommen dann auch noch Peter Ludden, Martin Schröer, Ralf Hübner und Khalid Ghazi zusammen in Martins Bus an.
Freitag morgen bin ich schon früh wach, kurz nach sieben. Aber COOP gegenüber vom Sportplatz macht erst um acht auf. Wir frühstücken in Kurts WoMo, frische Brötchen, warmer Apfelstrudel lecker. Anschließend gehts dann noch mal zur Stadtbesichtigung nach Biel. Leider regnet es fast die ganze Zeit. Mittags sind wir wieder da, futtern noch was und legen uns noch was hin. Nachmittags werd ich von Folklorischer Musik geweckt. “Wollen die etwa damit den Regen vertreiben” schießt es mir durch den Kopf. Ich steh auf und geh noch was in Zelt. Irgendjemand Bekannten trifft man ja immer. Mit Quatschen vergeht die Zeit bis 18:00 Uhr. Andre und Rico hauen sich noch eine Portion Pasta ein, ich bin noch satt vom Mittag. Zwischendurch ess ich auch immer die Powerriegel. Trinken ist in den letzten Stunden wichtig, egal ob alkoholfreies Bier, Wasser oder Sonstiges. Endlich wird auch das Wetter besser, die Wolken verziehen sich und die Sonne kommt durch. GottseiDank. Die Laune bessert sich schlagartig.
Einige liefen schon um 19:00 UHr mit Laufsachen und Startnummer rum. Kurz nach 21:00 Uhr zieh ich mich auch um. Kurz vor 22:00 Uhr gehts dann zum Start. Hier treff ich dann noch einige Bekannte unter anderem auch Michael von den Lustigen Schleichern. Die ersten Kilometer laufen wir zusammen, ich bremse mich ganz bewusst. Ich merke aber das Michael schneller laufen kann und lasse ihn ziehen. Kurz vor der ersten Steigung treff ich Tasso wieder, der eigentlich langsam starten wollte, war wohl etwas weiter vorne. Wir quatschen kurz über unsere Ziele: zu diesem Zeitpunkt liegt meins zwischen “Keine Lust” und “Bestzeit”. Aber es ist ja noch früh, der Lauf noch lang. An der ersten Steigung verlier ich Tasso wieder. Ich lauf so vor mich hin, immer auf einen ruhigen Rhytmus bedacht. Kurz vor KM 20 überholt mich Tasso wieder, der eigentlich langsam laufen wollte. Die letzten KM ist er mit ein paar Mädels gelaufen und hat vor lauter quatschen das Tempo gesteigert. Aber an der nächsten Steigung trennen sich unsere Wege wieder.
Ratz-Fatz (gefühlt) bin ich bei KM 38,5, in etwa 5min langsamer als im Vorjahr. Das ist das Ergebnis des langsamen Starts, aber ok so. So langsam komm ich in den Rhytmus. Viele Teile der Strecke kommen mir noch sehr bekannt vor. Irgendwie fühlt sich das alles routiniert an. Keine Euphorie im Körper. Einfach nur ein Hunderter. Sehr schnell bin ich bei KM 56, der Station vor dem Emmendamm. Immer noch etwa 5min langsamer als im Vorjahr, also hole ich langsam auf. Der Morgen dämmert schon langsam. Das Stück über den Emmendamm ist dieses Jahr irgendwie langweiliger, aber auch schnell wieder vorbei. Letztes Jahr war ich lockerer drauf. Liegt vielleicht auch daran das ich mir im Kopf kein konkretes Ziel gestzt habe. Der Kopf ist eigentlich schon beim 6-Tage-Lauf, ich merke aber auch die ganzen vergangenen Läufe aus dieser Saison. Ich komme zu dem Schluß, das ich den 24h-Lauf in Stadtoldendorf ausfallen lasse. Regeneration und Kräfte sammeln bringen sicherlich mehr. Den hier werd ich zu Ende laufen alleine um in der Wertung für den Europacup der Ultramarathone zu bleiben. Dann muss ich nur noch einen Laufen z.B. Schwäbische Alb.
Gegen 7:12 bin ich in Bibern. Jetzt hab ich ca. 14min verloren. Die Zeit vom letzten Jahr kann ich nicht mehr schaffen. Ich bin zwar etwas platter aber durch die regelmässige Energiezufuhr bleib ich am Laufen, ausser bei den Steigungen. Das ist doch positiv. Also jetzt die Sache zu Ende bringen. Wo Kurt jetzt wohl ist und wie es ihm geht? Viele gehen jetzt schon, von hinten kommen nur noch wenige. Ich lauf mein ruhiges Tempo weiter. Ich überhole Gehende, die dann wieder schnell loslaufen und zurück überholen. Bei manchen geht das über 30mal so, bei den meisten bleib ich letztendlich vorne. Die letzten 20km der Strecke sind eigentlich ätzend. Stundenlang am Wasser entlang, ausser den KM-Schildern sieht man kaum ein vorwärtskommen. Routiniert bring ich das zu Ende. Andre und Rico stehen schon im Ziel, damit hatte ich auch gerechnet. Jetzt erstmal anrufen zu Hause, meine Frau hat heute Geburtstag. Dann duschen, Urkunde und T-Shirt abholen und zum Zielbereich. Andre war nach ca. 10:55h im Ziel. Sauber! Wir warten gemeinsam auf Kurt. Ich schätze das er so 16:00h brauchen wird. Es wird aber jetzt immer wärmer und damit immer schwieriger. Wir nutzen die Zeit um die anderen Finisher anzufeuern. Kurz nach 15:00 Uhr geh ich in die Halle um etwas über die Zwischenzeiten von Kurt zu erfahren. Um kurz vor 10:00 war er beim letzten Ausstiegspunkt bei KM 76. Also müßte er jeden Augenblick kommen. Ich geh aus der Halle raus und wer wird angesagt: Kurt!
Man sieht ihm die Erlösung an. Die ganze Anspannung fällt nach der Ziellinie von ihm ab. Ich sehe wie tief gerührt er ist. Tränen kullern, ich muss meine zurückhalten. Er hats geschafft! WOW! Ich bin total stolz auf Kurt. Ich wußte: er kann es und er will es. Alleine für diesen Moment hat sich die ganze Fahrerei und der Rest schon gelohnt. Solche Momente sind einfach supergeil. Kurt hat sich heute ganz viel Respekt hart erarbeitet. Auch Peter Ludden kommt zum Gratulieren in den Zielbereich, er hatte die Ansage bei den Zelten gehört.

Kurt im Ziel!
Meine Zeit von 12:24 ist eine halbe Stunde langsamer als im Vorjahr, aber unter Berücksichtigung der letzten Monate noch recht gut. Was mir persönlich aber mit diesem Lauf immer im Gedächtnis bleiben wird ist das Finish vom Kurt.